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    <title>Sascha Wintjens: KI für Alltag &amp; Business</title>
    <link>https://www.saschawintjens.de/</link>
    <description>Praxisnahe Beiträge über künstliche Intelligenz für Alltag und Betrieb.</description>
    <language>de-de</language>
    <lastBuildDate>Fri, 24 Jul 2026 00:00:00 +0200</lastBuildDate>
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        <title>KI-Regeln 2026: Was für dein Unternehmen jetzt wirklich gilt</title>
        <link>https://www.saschawintjens.de/blog/ki-regeln-unternehmen-2026/</link>
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        <pubDate>Fri, 24 Jul 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
        <category>KI im Business</category>
        <description>Die Fristen der KI-Verordnung wurden Ende Juni verschoben. Was ab August gilt, was später kommt und welche Pflicht seit anderthalb Jahren übersehen wird.</description>
        <content:encoded><![CDATA[<p>Der 2. August 2026 steht seit Monaten in jedem Compliance-Kalender. Viele Betriebe haben ihre Planung daran ausgerichtet, Budget für Beratung reserviert und intern angekündigt, dass bis zu diesem Stichtag alles stehen muss, was mit künstlicher Intelligenz zu tun hat. Dann kam der 29. Juni.</p>
<p>An dem Tag wurde das Digital-Omnibus-Paket beschlossen. Es schiebt einen großen Teil der Pflichten aus der KI-Verordnung nach hinten. Wer sich vorbereitet hat, hat nicht umsonst gearbeitet. Der Zeitdruck sieht jetzt nur anders aus.</p>
<h2 id="was-im-august-tatsaechlich-greift">Was im August tatsächlich greift</h2>
<p>Ab dem 2. August gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50. Menschen müssen erkennen können, dass sie mit einem KI-System sprechen. Künstlich erzeugte Bilder, Videos und Tonaufnahmen brauchen eine Kennzeichnung, die auch maschinell lesbar ist.</p>
<p>Für Systeme, die vorher schon im Markt waren, läuft die Frist bis zum 2. Dezember 2026.</p>
<p>Betroffen bist du, wenn ein Chatbot auf deiner Website läuft. Oder wenn generierte Bilder in der Werbung auftauchen. Für die meisten kleineren Betriebe ist das der komplette Umfang.</p>
<h2 id="was-nach-hinten-gerutscht-ist">Was nach hinten gerutscht ist</h2>
<p>Die strengen Auflagen für Hochrisiko-Systeme kommen später. Systeme nach Anhang III, also etwa Software für Bewerberauswahl oder Kreditentscheidungen, müssen erst am 2. Dezember 2027 fertig sein. Für Hochrisiko-KI, die in Produkte eingebaut ist, bleibt Zeit bis zum 2. August 2028.</p>
<p>Ein Jahr mehr, in einem Fall sogar zwei. Klingt entspannt. Ist es auch, solange die Zeit nicht einfach verstreicht.</p>
<h2 id="die-pflicht-die-fast-alle-uebersehen">Die Pflicht, die fast alle übersehen</h2>
<p>Hier wird es unangenehm. Seit Februar 2025 gilt Artikel 4. Unternehmen müssen dafür sorgen, dass Mitarbeitende, die mit KI arbeiten, genug davon verstehen.</p>
<p>Keine Übergangsfrist. Keine Verschiebung. Das läuft seit anderthalb Jahren.</p>
<p>In der Praxis heißt das nicht, dass jeder ein Zertifikat braucht. Es heißt, dass jemand, der ein Sprachmodell für Kundenkorrespondenz einsetzt, ungefähr verstehen muss, wie das Ding funktioniert, an welchen Stellen es zuverlässig arbeitet und wo es anfängt, plausibel klingende Dinge zu erfinden, die niemand geprüft hat. Eine dokumentierte Einweisung deckt für viele Betriebe den Kern ab.</p>
<p>Ebenfalls seit Februar 2025 verboten sind bestimmte Anwendungen, etwa Emotionserkennung am Arbeitsplatz. Auch ohne Gnadenfrist.</p>
<h2 id="datenschutz-ist-die-groessere-baustelle">Datenschutz ist die größere Baustelle</h2>
<p>Über der KI-Verordnung geht gerade die DSGVO unter. Dabei ist sie im Tagesgeschäft wichtiger.</p>
<p>Sobald personenbezogene Daten in ein KI-Werkzeug fließen, gelten die bekannten Regeln. Rechtsgrundlage, Zweckbindung, ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung mit dem Anbieter, Information der Betroffenen. Wer Bewerbungsunterlagen durch ein Sprachmodell schickt, ohne das geklärt zu haben, hat ein DSGVO-Problem, lange bevor die KI-Verordnung überhaupt greift.</p>
<p>Immerhin lässt sich die Frage klären. Die großen Anbieter haben Geschäftskonten mit Auftragsverarbeitungsvertrag und der Zusage, dass Eingaben nicht ins Training wandern. Das muss man aktiv einrichten. Im Privatkonto gilt es nicht, auch nicht im bezahlten.</p>
<h2 id="womit-du-diese-woche-anfangen-kannst">Womit du diese Woche anfangen kannst</h2>
<p>Schreib auf, welche KI-Werkzeuge im Haus benutzt werden. Nicht welche freigegeben sind, sondern welche tatsächlich laufen. Die Liste wird länger als erwartet.</p>
<p>Prüf danach für jedes Werkzeug, ob personenbezogene Daten hineingehen und ob ein Vertrag mit dem Anbieter existiert.</p>
<p>Setz dann eine Stunde für eine Einweisung an und halt fest, wer dabei war. Damit ist Artikel 4 für den Anfang abgedeckt.</p>
<h2 id="wo-mein-rat-aufhoert">Wo mein Rat aufhört</h2>
<p>Das hier ist keine Rechtsberatung, ich bin kein Anwalt. Sobald ihr KI-Systeme selbst entwickelt und vertreibt oder in einem der Hochrisiko-Bereiche unterwegs seid, wird es deutlich komplizierter, als es hier steht. Dann führt am Fachanwalt kein Weg vorbei.</p>
<p>Für den Normalfall, ein Betrieb nutzt fertige Werkzeuge, reicht der Überblick oben, um nicht blind ins Risiko zu laufen.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
        <title>Bessere Prompts schreiben: vier Hebel, die wirklich etwas ändern</title>
        <link>https://www.saschawintjens.de/blog/bessere-prompts-schreiben/</link>
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        <pubDate>Tue, 21 Jul 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
        <category>Guides</category>
        <description>Die meisten tippen Stichworte ein und wundern sich über beliebige Antworten. Vier Handgriffe, die aus mittelmäßigen Ergebnissen brauchbare machen.</description>
        <content:encoded><![CDATA[<p>Zwanzig Jahre Google haben uns beigebracht, in Stichworten zu denken. Drei Begriffe eintippen, Ergebnisliste durchsehen, fertig. Bei einem Sprachmodell führt genau dieses Muster zu Antworten, die nach Broschüre klingen und auf niemanden passen.</p>
<p>Der Unterschied ist einfach. Eine Suchmaschine holt etwas, das es schon gibt. Ein Sprachmodell schreibt etwas Neues, auf Basis dessen, was du ihm mitgibst. Gibst du wenig mit, bekommst du Durchschnitt.</p>
<p>Vier Handgriffe ändern daran mehr als jede Prompt-Sammlung aus dem Internet.</p>
<h2 id="kontext-und-zwar-konkret">Kontext, und zwar konkret</h2>
<p>Der erste Hebel ist auch der langweiligste. Sag, wer du bist, was am Ende herauskommen soll und für wen.</p>
<p>Vergleich zwei Anfragen. Einmal: Schreib mir einen Text für meine Website. Dann diese: Ich bin Steuerberaterin, arbeite überwiegend mit Handwerksbetrieben, und meine Mandanten kommen oft mit schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit zu mir, die sie sich ungern eingestehen. Schreib drei Absätze für meine Startseite, die das ernst nehmen, statt es wegzureden.</p>
<p>Die zweite Anfrage liefert etwas, das du benutzen kannst. Die erste liefert Sätze, die auf jede Website passen. Und deshalb auf keine.</p>
<h2 id="sag-wie-das-ergebnis-aussehen-soll">Sag, wie das Ergebnis aussehen soll</h2>
<p>Formatvorgaben wirken sofort. Fünf Stichpunkte, maximal zehn Wörter pro Punkt. Ein Absatz, keine Aufzählung. Eine Tabelle mit drei Spalten.</p>
<p>Ohne Vorgabe bekommst du die Form, die statistisch am häufigsten vorkommt. Meistens ist das eine mittellange Textwand mit einer Zusammenfassung am Ende, die niemand braucht.</p>
<p>Genauso hilfreich: sagen, was nicht vorkommen soll. Keine Ausrufezeichen. Keine Metaphern. Keine Einleitung, direkt zur Sache. Diese Negativvorgaben werden erstaunlich zuverlässig befolgt.</p>
<h2 id="zeig-ein-beispiel">Zeig ein Beispiel</h2>
<p>Der stärkste Hebel und der am seltensten genutzte. Nimm einen Text, dessen Ton dir gefällt, häng ihn an und schreib dazu: In diesem Stil, aber zum Thema X.</p>
<p>Das schlägt jede Stilbeschreibung. Adjektive wie sachlich, locker oder professionell bedeuten für ein Sprachmodell nicht dasselbe wie für dich. Ein Beispiel ist eindeutig.</p>
<p>Wenn du selbst noch keinen passenden Text hast, nimm einen fremden, dessen Machart dir gefällt, und beschreib, was dir daran gefällt. Das reicht schon.</p>
<h2 id="nachschaerfen-statt-neu-anfangen">Nachschärfen statt neu anfangen</h2>
<p>Viele werfen die erste Antwort weg und formulieren die Anfrage komplett neu. Schneller geht es, wenn du im Gespräch bleibst.</p>
<p>Zu lang, halbier das. Der zweite Absatz klingt nach Werbung, schreib ihn nüchterner. Erklär mir, warum du diese Reihenfolge gewählt hast.</p>
<p>Der letzte Satz ist mein Favorit. Die Begründung zeigt oft, dass die Anfrage selbst unklar war, nicht die Antwort schlecht.</p>
<h2 id="was-nicht-funktioniert">Was nicht funktioniert</h2>
<p>Zauberwörter. Es gibt Listen mit angeblich magischen Formulierungen, die alles besser machen sollen. In der Praxis merke ich davon wenig. Kontext und Beispiel bringen mehr als jedes Schlüsselwort.</p>
<p>Endlos lange Anweisungen. Ich sehe regelmäßig Prompts mit zwanzig Zeilen Regeln, in denen sich Vorgaben zu Ton, Länge, Zielgruppe und Format gegenseitig widersprechen, weil sie über Wochen zusammengesammelt wurden und nie jemand aufgeräumt hat. Das Modell wählt dann irgendeine davon. Drei bis fünf klare Vorgaben, dann nachschärfen, funktioniert besser.</p>
<p>Auch nicht: sich darauf verlassen, dass das Ergebnis stimmt. Bei Zahlen, Namen und Quellen bleibt Nachprüfen Pflicht. Daran ändert kein Prompt etwas.</p>
<h2 id="der-nebeneffekt">Der Nebeneffekt</h2>
<p>Nach ein paar Wochen fällt etwas auf, über das selten jemand spricht. Man formuliert Aufgaben allgemein präziser. Auch gegenüber Kollegen.</p>
<p>Wer lernt, einer Maschine ein Ziel zu erklären, merkt schnell, wie oft das eigene Ziel vorher gar nicht klar war.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
        <title>Reiseplanung mit KI: was funktioniert und was du besser selbst machst</title>
        <link>https://www.saschawintjens.de/blog/reiseplanung-mit-ki/</link>
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        <pubDate>Fri, 17 Jul 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
        <category>KI im Alltag</category>
        <description>KI spart bei der Urlaubsplanung tatsächlich Stunden. Aber nur bei bestimmten Schritten. Ein Ablauf, der sich in der Praxis bewährt hat.</description>
        <content:encoded><![CDATA[<p>Urlaubsplanung frisst Zeit. Zwei Wochen Italien mit Kindern zu planen, kostet an einem verregneten Sonntag schnell den halben Tag, und danach hat man drei Tabs mit Hotels und keinen Plan.</p>
<p>Genau hier ist KI stark. Nicht überall, aber an den richtigen Stellen deutlich.</p>
<h2 id="wo-der-zeitgewinn-wirklich-liegt">Wo der Zeitgewinn wirklich liegt</h2>
<p>Die Grobplanung. Du weißt, dass du zehn Tage hast, dass es im September losgeht, dass ihr mit dem Auto fahrt, dass niemand Lust auf vier Stunden Etappe am Stück hat und dass mindestens ein Tag am Wasser dabei sein soll. Daraus eine Route zu bauen, dauert von Hand eine Stunde. Ein Sprachmodell liefert drei Varianten in zwei Minuten.</p>
<p>Tagesabläufe. Was passt zusammen an einem Tag, ohne dass man dreimal quer durch die Stadt fährt. Solche Zusammenstellungen gelingen gut, weil sie auf Erfahrungswerten aus unzähligen Reiseberichten beruhen.</p>
<p>Packlisten. Klingt banal, ist aber der Punkt, an dem bei uns regelmäßig etwas fehlt. Eine Liste für zehn Tage Wandern im Herbst mit einem Vierjährigen bekommt man in Sekunden, inklusive der Dinge, an die man nie denkt.</p>
<p>Und Vorbereitung auf Gespräche vor Ort. Ein paar Sätze in der Landessprache, passend zur Situation, sind schneller beisammen als über jede Sprach-App.</p>
<h2 id="wo-es-unzuverlaessig-wird">Wo es unzuverlässig wird</h2>
<p>Alles, was gebucht oder bezahlt wird.</p>
<p>Preise sind veraltet. Verfügbarkeiten kennt das Modell nicht. Öffnungszeiten stimmen erschreckend oft nicht, besonders bei kleineren Museen und in der Nebensaison. Und wenn ein Modell unsicher ist, erfindet es plausibel klingende Angaben, statt zu passen.</p>
<p>Das ist kein Randproblem. Wer die Öffnungszeit einer Bergbahn ungeprüft übernimmt, weil sie so überzeugend formatiert in der Antwort stand, steht am Ende mit zwei müden Kindern und einem vollen Rucksack vor einer Talstation, die im September erst ab zehn öffnet.</p>
<p>Meine Regel: Alles, was Geld kostet oder einen festen Termin hat, wird auf der offiziellen Seite gegengeprüft. Ohne Ausnahme.</p>
<h2 id="ein-ablauf-der-sich-bewaehrt-hat">Ein Ablauf, der sich bewährt hat</h2>
<p>Zuerst der Rahmen. Reiseziel, Zeitraum, wie viele Personen, welches Alter, Budgetgefühl, Verkehrsmittel, und was ihr überhaupt mögt. Museen oder Berge, früh raus oder ausschlafen. Je konkreter, desto brauchbarer die Antwort.</p>
<p>Dann drei Routenvarianten anfordern, ausdrücklich mit unterschiedlichem Tempo. Eine entspannte, eine dichte, eine mit einem längeren Standort. Die Auswahl fällt leichter, wenn man vergleichen kann.</p>
<p>Danach die gewählte Variante Tag für Tag ausarbeiten lassen, mit Fahrzeiten. Fahrzeiten sind wieder so ein Punkt, den man in einer Karte gegenprüfen sollte.</p>
<p>Erst am Ende geht es ans Buchen. Und zwar von Hand, auf den echten Plattformen.</p>
<h2 id="die-spezialwerkzeuge">Die Spezialwerkzeuge</h2>
<p>Neben ChatGPT und Gemini gibt es Anbieter, die nur auf Reisen zugeschnitten sind. Layla und Wonderplan werden am häufigsten genannt, MindTrip ebenfalls. Sie fragen strukturiert ab, was du vorhast, und bauen daraus eine Route mit Karte, teils mit Buchungsanbindung.</p>
<p>Der Vorteil: weniger Tipparbeit, mehr Struktur. Der Nachteil bleibt derselbe. Auch dort sind Preise und Zeiten Momentaufnahmen aus Datenbanken, die niemand für deinen Reisetag garantiert.</p>
<p>Wenn du ohnehin schon mit einem Sprachmodell arbeitest, brauchst du die Spezialwerkzeuge nicht zwingend. Wer lieber klickt als schreibt, ist mit ihnen schneller.</p>
<h2 id="ein-punkt-zur-ehrlichkeit">Ein Punkt zur Ehrlichkeit</h2>
<p>Die Reiserouten, die dabei herauskommen, sind Durchschnitt im besten Sinn. Sie enthalten das, was viele Menschen gut fanden. Der Geheimtipp, den dir der Vermieter beim Frühstück verrät, steht nicht darin.</p>
<p>Für die Grundstruktur ist das genau richtig. Für den Teil, an den man sich später erinnert, eher nicht. Ich lasse deshalb bewusst Lücken im Plan.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
        <title>KI im Unternehmen einführen, ohne dass es ein Projekt wird</title>
        <link>https://www.saschawintjens.de/blog/ki-im-unternehmen-einfuehren/</link>
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        <pubDate>Tue, 14 Jul 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
        <category>KI im Business</category>
        <description>Die meisten Einführungen scheitern nicht an der Technik, sondern am Aufwand drumherum. Ein Vorgehen in fünf Schritten, das in vier Wochen trägt.</description>
        <content:encoded><![CDATA[<p>Der übliche Ablauf sieht so aus. Die Geschäftsführung liest etwas über KI, es wird ein Lenkungskreis gebildet, jemand bekommt die Aufgabe, einen Anforderungskatalog zu schreiben, und weil niemand genau sagen kann, wofür das Ganze eigentlich gut sein soll, wird der Katalog immer länger. Drei Monate später gibt es eine Präsentation. Danach ist die Luft raus.</p>
<p>Parallel dazu benutzt die Hälfte der Belegschaft längst ChatGPT. Nur eben ohne Regeln und ohne dass jemand offiziell davon weiß.</p>
<p>Das ist der schlechteste aller Zustände. Nicht weil die Nutzung ein Problem wäre, sondern weil sie unsichtbar bleibt.</p>
<h2 id="schritt-eins-die-datenregeln-vor-allem-anderen">Schritt eins: die Datenregeln, vor allem anderen</h2>
<p>Bevor irgendjemand irgendetwas testet, braucht ihr eine Seite mit drei Kategorien.</p>
<p>Grün sind allgemeine Fragen, öffentlich verfügbare Informationen und eigene Textentwürfe ohne Personen- oder Kundenbezug. Gelb sind interne Unterlagen ohne Personenbezug, erlaubt nur in freigegebenen Werkzeugen. Rot sind Personaldaten, Kundendaten, Gesundheitsdaten, Zugangsdaten und unveröffentlichte Zahlen. Rot heißt nie.</p>
<p>Wer diese drei Zeilen kennt, deckt den größten Teil des Risikos ab. Das Blatt kostet einen Nachmittag und ist mehr wert als jede zwölfseitige Richtlinie, die noch in Abstimmung hängt.</p>
<h2 id="schritt-zwei-drei-freiwillige-keine-abordnung">Schritt zwei: drei Freiwillige, keine Abordnung</h2>
<p>Sucht Leute, die Lust haben. Nicht die, die laut Organigramm zuständig wären.</p>
<p>Zwei Wochen, echte Aufgaben aus dem Tagesgeschäft, kein Bericht, keine Präsentation. Der einzige Auftrag lautet: Schreib auf, wo dir das Ding Zeit gespart hat und wo es dich Zeit gekostet hat.</p>
<p>Beide Spalten sind wichtig. Die zweite meistens mehr.</p>
<h2 id="schritt-drei-bei-den-langweiligen-aufgaben-anfangen">Schritt drei: bei den langweiligen Aufgaben anfangen</h2>
<p>Der Reflex geht immer zum Spektakulären. Kundenkommunikation automatisieren, Angebote generieren. Genau dort ist das Risiko am höchsten und der Nutzen am unsichersten.</p>
<p>Die verlässlichen Zeitgewinne liegen woanders, nämlich bei den Aufgaben, über die niemand in einer Präsentation sprechen würde: lange Besprechungen zusammenfassen, interne Unterlagen durchsuchbar machen, Texte auf Verständlichkeit prüfen, bevor sie rausgehen, und schwierige Mails so weit vorformulieren, dass niemand mehr vor dem leeren Feld sitzt.</p>
<p>Unspektakulär. Dafür funktioniert es.</p>
<h2 id="schritt-vier-eine-stunde-einweisung-protokolliert">Schritt vier: eine Stunde Einweisung, protokolliert</h2>
<p>Das ist nicht nur pragmatisch, sondern inzwischen Pflicht. Seit Februar 2025 verlangt die KI-Verordnung, dass Mitarbeitende, die mit KI arbeiten, ausreichend Kompetenz mitbringen.</p>
<p>Eine Stunde reicht für den Anfang. Was das Werkzeug kann, wo es Dinge erfindet, welche Daten hineindürfen, wer bei Unsicherheit angesprochen wird. Danach eine kurze Notiz, wer teilgenommen hat.</p>
<p>Ein Name als Ansprechpartner gehört dazu. Kein Funktionspostfach. Menschen fragen Menschen.</p>
<h2 id="schritt-fuenf-entscheiden-was-bleibt">Schritt fünf: entscheiden, was bleibt</h2>
<p>Nach zwei Wochen dreißig Minuten in der Runde. Eine einzige Frage: Was benutzt du freiwillig weiter?</p>
<p>Was dabei durchfällt, braucht ihr nicht einzuführen. Das ist die billigste Bedarfsanalyse, die ihr bekommen könnt, und ehrlicher als jede Anbieterpräsentation.</p>
<h2 id="was-schiefgeht">Was schiefgeht</h2>
<p>Zwei Fehler sehe ich immer wieder.</p>
<p>Der erste ist die Vollständigkeitsfalle. Man will alle Werkzeuge vergleichen, bevor man eines benutzt. Der Markt ändert sich schneller, als der Vergleich fertig wird.</p>
<p>Der zweite ist der Zwang. Sobald KI-Nutzung zur Vorgabe wird, entstehen Alibi-Anwendungen, die niemandem helfen, und ein Teil des Teams fühlt sich überfahren. Freiwilligkeit liefert bessere Ergebnisse und ehrlichere Rückmeldungen.</p>
<h2 id="die-rechnung-die-zaehlt">Die Rechnung, die zählt</h2>
<p>Wenn eine Wochenbesprechung von sechzig auf dreißig Minuten schrumpft, weil die Vorbereitung besser ist, spart ihr bei sechs Teilnehmenden drei Personenstunden pro Woche. Über ein Jahr sind das mehr als dreißig Arbeitstage.</p>
<p>Solche Zahlen überzeugen im Zweifel mehr als jede Vision davon, wie Arbeit künftig aussehen könnte.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
        <title>Welches KI-Tool wofür? Eine Einordnung ohne Rangliste</title>
        <link>https://www.saschawintjens.de/blog/ki-tools-nach-anwendungsfall/</link>
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        <pubDate>Fri, 10 Jul 2026 00:00:00 +0200</pubDate>
        <category>Tools &amp; Tests</category>
        <description>Die Frage nach dem besten KI-Tool hat keine Antwort. Die Frage nach dem passenden schon. Eine Sortierung nach Aufgaben statt nach Testsiegern.</description>
        <content:encoded><![CDATA[<p>Welches ist das beste KI-Tool? Die Frage bekomme ich am häufigsten, und ich kann sie nicht beantworten. Nicht aus Höflichkeit gegenüber den Anbietern, sondern weil sie falsch gestellt ist.</p>
<p>Ranglisten wechseln im Monatsrhythmus, und wer im Frühjahr einen Testsieger ausgerufen hat, steht im Herbst mit einer Empfehlung da, die zwei Modellgenerationen alt ist und deren Schwächen längst behoben wurden. Was stabil bleibt, sind die Aufgaben.</p>
<p>Deshalb sortiere ich nach Aufgabentyp und nenne bewusst keine Versionsnummern. Die stimmen ohnehin nur für ein paar Wochen.</p>
<h2 id="lange-dokumente-durcharbeiten">Lange Dokumente durcharbeiten</h2>
<p>Vierzig Seiten Vertrag, ein Sitzungsprotokoll, eine Diplomarbeit. Hier zählt zweierlei: wie viel Text das Werkzeug auf einmal aufnimmt und ob es Details in der Mitte zuverlässig wiederfindet.</p>
<p>Der zweite Punkt wird unterschätzt. Manche Modelle behalten Anfang und Ende eines Dokuments zuverlässig im Blick, werden aber in der Mitte ungenau, und genau dort steht in Verträgen erfahrungsgemäß die Klausel, wegen der man überhaupt nachgesehen hat. Testen lässt sich das in fünf Minuten: eigenes langes Dokument hochladen, nach etwas fragen, das auf Seite 30 steht.</p>
<h2 id="texte-schreiben-und-ueberarbeiten">Texte schreiben und überarbeiten</h2>
<p>Hier geht es um Ton, nicht um Genauigkeit. Die Unterschiede sind deutlich hörbar und Geschmackssache.</p>
<p>Mein Vorschlag zum Vergleichen: Nimm einen eigenen Text, den du gut findest, und lass drei Werkzeuge den nächsten Absatz schreiben. Nach zehn Minuten weißt du mehr als nach jedem Testbericht.</p>
<p>Für das Überarbeitenlassen gilt etwas anderes als fürs Schreiben. Frag nicht, mach das besser. Frag: Welche drei Stellen versteht jemand ohne Vorwissen nicht? Die Antwort ist oft unangenehm treffend.</p>
<h2 id="rechnen-und-logische-ketten">Rechnen und logische Ketten</h2>
<p>Der Bereich mit den größten Unterschieden und der größten Fallhöhe.</p>
<p>Achte darauf, ob das Werkzeug seinen Gedankengang zeigen kann. Bei mehrstufigen Aufgaben verbessert das die Trefferquote spürbar, und du siehst, wo es schiefgeht.</p>
<p>Trotzdem bleibt eine Grenze: Auch das beste Modell rechnet schlechter als eine Tabellenkalkulation. Nutz es, um die Rechnung aufzustellen, nicht um sie auszuführen.</p>
<h2 id="aktuelle-informationen">Aktuelle Informationen</h2>
<p>Sobald es um Dinge aus dieser Woche geht, brauchst du ein Werkzeug mit Websuche. Ohne Suche antwortet ein Sprachmodell aus dem Gedächtnis, und das Gedächtnis endet irgendwann in der Vergangenheit.</p>
<p>Wichtig dabei: Der Link zählt, nicht die Zusammenfassung. Öffne die Quelle und prüf, ob dort wirklich steht, was behauptet wird. In meiner Erfahrung passt etwa jede fünfte Zusammenfassung nicht genau zur Vorlage.</p>
<h2 id="wenn-daten-das-haus-nicht-verlassen-duerfen">Wenn Daten das Haus nicht verlassen dürfen</h2>
<p>Bei Mandantendaten, Patientendaten oder unveröffentlichten Zahlen wird die Auswahl klein. Dann geht es um Modelle, die auf eigener Hardware laufen, oder um europäische Anbieter mit entsprechenden Verträgen.</p>
<p>Diese Modelle sind schwächer als die großen. Die relevante Frage lautet aber nicht, ob sie schwächer sind, sondern ob sie für die konkrete Aufgabe reichen. Für Zusammenfassungen und Formulierungshilfen reichen sie oft.</p>
<h2 id="bau-dir-deinen-eigenen-test">Bau dir deinen eigenen Test</h2>
<p>Das ist der eigentliche Rat aus diesem Beitrag.</p>
<p>Nimm fünf Aufgaben aus deinem echten Alltag. Immer dieselben. Eine lange Zusammenfassung, ein schwieriger Text, eine Rechnung, eine Recherche, eine Übersetzung mit Fachbegriffen.</p>
<p>Wenn ein neues Werkzeug erscheint, jagst du die fünf durch und weißt nach zwanzig Minuten, ob sich der Wechsel lohnt. Das misst deine Arbeit, nicht eine Prüfungsaufgabe aus einem Benchmark.</p>
<h2 id="der-unbequeme-teil">Der unbequeme Teil</h2>
<p>Die meisten holen aus dem Werkzeug, das sie schon haben, einen Bruchteil dessen heraus, was möglich wäre. Ein Wechsel bringt selten so viel wie zwei Wochen ernsthafte Übung mit dem Vorhandenen.</p>
<p>Das ist die langweiligste Empfehlung in diesem Text. Und wahrscheinlich die wirksamste.</p>]]></content:encoded>
    </item>
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